15 Jahre „Hilfe für Kinder“ in Temesvar
03.Oktober 2005
Am 3.Oktober 1990 – also vor genau 15 Jahren – kam mein Mann Hubertus Gollnick nach Temesvar und widmete sich nach seiner Pensionierung hier einer neuen sozialen Aufgabe, nämlich der Hilfe für benachteiligte rumänische Kinder.
In den ersten Jahren arbeitete Hubertus Gollnick im Rahmen von „Hilfe für Rumänien e.V. Essen“, gleichzeitig und danach im rumänischen Verein „Hilfe für Rumänien, Timisoara“, den er dann in „Hilfe für Kinder“ änderte, um deutlich zu machen, dass es vor allem um die Verbesserung der Lebensbedingungen für Kinder ging. Als 1996 der deutsche Verein „Hilfe für Kinder e.V. Heinsberg“ gegründet wurde, wurden mein Mann und ich Beauftragte dieses Vereins für benachteiligte Kinder und Familien in Rumänien.
Leider verstarb mein Mann Hubertus Gollnick am 2.12.2004. Seitdem führe ich die Hilfe für rumänische Kinder und Familien in Not in seinem Sinne weiter.
„Hilfe für Kinder“ konnte in diesen 15 Jahren viel zur Verbesserung der Situation benachteiligter Kinder in Rumänien beitragen – „Hilfe für Kinder“ ist auch in den nächsten Jahren notwendig.
Die Arbeit von Hubertus Gollnick und von „Hilfe für Kinder“ in Temesvar:
1. Aufbau und Leitung der Fachschule für Kinderkrankenpflege, Heilpädagogik und Erziehung:
Auf Initiative von Herrn Dr. Radu Dunareanu und im Auftrag der Staatskanzlei des Landes NRW, die die Finanzierung sicherte, baute Hubertus Gollnick ab 1990 in Temesvar eine Fachschule für Kinderkrankenpflege, Heilpädagogik und Erziehung (heute: Erzieherfachschule „Sancta Maria Hilfe“) auf, um Fachkräfte auszubilden, die kranke und „institutionalisierte“ Kinder nicht nur verwahren, sondern qualifiziert und liebevoll betreuen und fördern. Er leitete diese Fachschule bis 1995. Dann ging die Leitung der Schule in rumänische Hände an Frau Adina Jinaru über.
2. Beratung der Institutionen bei der Reform der Heimerziehung:
Da Hubertus Gollnick bis zu seiner Pensionierung Direktor von Heimen für schwer erziehbare und straffällige Jugendliche in NRW war und die Reform der Heimerziehung in Deutschland nach dem 2.Weltkrieg miterlebt hat, hatte er viel Erfahrung in diesem Bereich und konnte die rumänischen Institutionen bei ihrer Reform fachlich gut beraten und unterstützen.
3. Unterstützung von Institutionen und Familien mit Hilfsgütern und Geld:
„Hilfe für Kinder“ unterstützt seit 1990 jährlich etwa 2.000 bedürftige Kinder in Temesvar und im Kreis Timis.
Unterstützt werden:
- alle staatlichen Waisenhäuser und Kinderheime im Kreis Timis,
- viele private, kirchliche und von ONG getragene Kinderheime und Tagesstätten für Kinder und Jugendliche,
- Kinderkliniken in Temesvar,
- Einrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche,
- einige Kindergärten, z.B. in Plopi, Crisan, Kuncz,
- psychiatrische Einrichtungen,
- Initiativen für Straßen- und Romakinder,
- die Suppenküche von „Timisoara ´89“,
- die Armenküche der orthodoxen Kirchengemeinde Mehala,
- etwa 30 bedürftige Familien regelmäßig jeden Monat und
- etwa 150 Familien gelegentlich,
- hochwassergeschädigte Familien, vor allem in Gataia und Otelec,
- Renovierung und neue Ausstattung des Kindergartens in Otelec
Wichtige Projekte von „Hilfe für Kinder“:
„Hilfe für Kinder“ hilft nicht nur mit Geld und Hilfsgütern, sondern vor allem mit gezielten Projekten. Das waren 2004 und 2005 vor allem folgende:
- Verbesserung der Verpflegung durch monatliche Zuschüsse für 8 Heime, 3 Kinderkliniken, den Wochenkindergarten Odobescu-Straße, 2 Ganztagskindergärten in den armen Wohnvierteln Plopi und Crisan und die Suppenküche für Straßenkinder und Obdachlose von „Timisoara `89“
- Alphabetisierungsprojekte für Straßen- und Romakinder: 5 Straßenkinderheime und 2 Initiativen zur Förderung von Romakindern bekamen Geld für Schulmaterial, kleine Feste am Schuljahresende und zu Weihnachten und Lohnzuschüsse für die Lehrkräfte
- „Kleine Köche“: 12 Kochkurse a 10 Wochen und 4 Kurse a 5 Wochen halfen älteren Heimjugendlichen, sich auf ein selbständiges Leben nach ihrer Heimentlassung vorzubereiten. Wegen des großen Interesses der Jugendlichen sind für 2005 weitere Kochkurse geplant.
- „Betreutes Wohnen“ für heimentlassene Jugendliche; wir förderten v.a. ihre Betreuung, Beratung und Fortbildung.
- „Therapeutische Gärten“ als sinnvolle Beschäftigungsmaßnahmen, insbesondere für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene
- Unterstützung des Kriseninterventionsheims, in dem schwer behinderte Kinder aus Familien in Krisensituationen jeweils 2 Wochen lang betreut werden
- Monatliche Infotreffen und Beratungen für Mütter und Väter behinderter Kinder
- Einrichtung von Spielgärten mit Tischtennisplatten, Schaukeln, Sommerstühlen und –tischen, Sonnenschirmen etc. im neuen Aufnahmeheim und im Tagesheim für AIDS-kranke Kinder „Effata“
- Handarbeitskurse für Mädchen des Sonderschulheims Musorgski-Straße
- Bekleidung und Schuhe für Heim- und Straßenkinder
- Spiel-, Sport- und Theaterfeste
- Unterstützung, Geschenke und Feiern für bedürftige Kinder zu Ostern und Weihnachten; dafür verwendeten wir insgesamt 31.500,-Euro.
- Freizeitaktivitäten und Ferienlager für Heimkinder; 2005 wurden verstärkt auch Ferienfreizeiten für Kinder sehr armer Familien, v.a. aus weit abgelegenen Dörfern, unterstützt.
- Musische Projekte, wie „Singen mit Gitarre“ (in 2 Straßenkinderheimen), „Heimkinder musizieren“ (im Kinderheim Onesti-Straße) und „Malen, Musik und Bewegung“ (in der Kinderpsychiatrie), wurden mit 25–50 Euro monatlich finanziert.
- Unterstützung bedürftiger Schüler der Erzieherfachschule „Sancta Maria Hilfe“ mit Lernmitteln oder monatlichen Patenschaften
- 2005 wurden auch bedürftige Jugendlichen in anderen Schulen oder Berufsausbildungen mit Ausbildungsbeihilfen unterstützt.
- 40 Absolventen der Erzieherfachschule, die in Heimen arbeiten, aber trotz guter Qualifikation schlecht bezahlt werden, erhielten dreimal Unterstützungen von je 50,-Euro, weitere 9 Absolventen monatliche Patenschaften von 25–50 Euro.
- Ergänzung der Einrichtung von Tischlerwerkstätten mit Kleinmaschinen in 5 Heimen, in denen Jugendliche durch Holzarbeiten ihre handwerklichen Fertigkeiten üben und ihre berufliche Neigung und Eignung prüfen können.
- 30 Familien unterstützten wir auch 2004 mit monatlich 25–60 Euro und weitere
- 150 Familien gelegentlich mit 20-100 Euro, z.B. für den Kauf von Lebensmitteln, Schulmaterial, Medikamenten, warmer Kleidung oder Brennholz für den Winter, bei schwerer Krankheit oder einem Todesfall in der Familie oder in anderen Notlagen.
- Für das warme Mittagessen, das die Armenküche Mehala 4-mal pro Woche an über 100 Not leidende Menschen ausgibt, konnte „Hilfe für Kinder“ die Hälfte der benötigten Lebensmittel finanzieren.
Neue Projekte 2005:
Einrichtung von Kinder- und Jugendbüchereien in 5 Kinderheimen und 3 Kinderkliniken: Die Kinder und Jugendlichen sollen die Möglichkeit erhalten, in ihrer Freizeit interessante Bücher zu lesen.
Nähkurs für junge Mütter im Mutter-Kind-Heim in Plopi: Dieser Kurs soll den Frauen helfen, ihre freie Zeit sinnvoll zu nutzen und sich eventuell eine Basis für eine spätere Berufstätigkeit, z.B. als Näherin in einer Fabrik, zu schaffen.
Nähkurs für Mädchen im Tagesheim für AIDS-infizierte Kinder und Jugendliche „Effata“: Nähen ist eine leichte und sinnvolle Beschäftigung für die Mädchen, macht ihnen Freude durch ihre Erfolgserlebnisse.
Ausbildungsbeihilfen für Heimjugendliche und Jugendliche aus armen Familien: So wird benachteiligten Jugendlichen geholfen, einen Beruf zu erlernen, mit dem sie später eine gute Arbeitsstelle finden können.
Hilfe für Hochwassergeschädigte im Kreis Timis:
Dafür kann „Hilfe für Kinder“ 300 – 600 Mill. Lei bereitstellen für:
- Einzelnen Familien wurde mit Geld geholfen, weitere Familien sollen unterstützt werden, wenn ihre Häuser aufgebaut sind und sie dann Sachen für ihre Einrichtung oder Brennholz brauchen.
- Für die Armenküche in Otelec wurden Lebensmittel gekauft.
- Über 40 Familien in Otelec bekamen Schaufeln, Hacken, Spaten und Harken, um selbst beim Wiederaufbau ihrer Existenz mithelfen zu können.
- Arme Familien werden beim Bau eines Hühner- oder Schweinestalls unterstützt.
- Größtes Projekt: Renovierung und Einrichtung des neuen Kindergartens in Otelec (neue Fenster, Fußboden, Möbel, Spielsachen): Gesamtkosten voraussichtlich 5.300,-Euro
„Hilfe für Kinder“ dankt:
 Die Unterstützung für Kinder und Familien in Not war und ist nur möglich dank der vielen großherzigen Spenden, die „Hilfe für Kinder“ in diesen 15 Jahren vor allem aus Deutschland und Holland, aber auch aus Italien und Österreich, erhielt.
Mein Mann hat sich – genauso wie ich – stets als Vermittler verstanden, der das Geld der Sponsoren dort eingesetzt hat, wo es besonders dringend benötigt wurde. Da er in Temesvar vor Ort lebte, konnte er unmittelbar die Sorgen und Nöte der Heime und Familien erfahren und gezielt helfen. Er war für jede Unterstützung stets sehr dankbar.
Es ist auch mir ein großes Bedürfnis, allen Sponsoren, Förderern und Helfern, die „Hilfe für Kinder“ in diesen 15 Jahren unterstützt haben, von Herzen zu danken, insbesondere:
- allen Sponsoren, die mit ihren Geld- und Sachspenden ermöglicht haben, dass das Leben vieler Kinder und Familien in Rumänien besser, froher und hoffnungsvoller wurde,
- allen Ehrenamtlichen in Deutschland und Holland, die die vielen Hilfsgüter gesammelt, sortiert und auf den Weg gebracht haben,
- allen Helfern, die durch Gespräche, Vorträge und Veranstaltungen und durch die Homepage auf die Not vieler Menschen in Rumänien aufmerksam gemacht, um Spenden geworben und über die Tätigkeit von „Hilfe für Kinder“ informiert haben,
- den beiden Vereinsvorsitzenden von „Hilfe für Kinder e.V.“ Heinsberg, die die Abrechnung der Spenden verwaltet und die Spendenbescheinigungen ausge-stellt haben,
- allen engagierten Leitern und Mitarbeitern in Heimen und Betreuungseinrich-tungen und allen Ehrenamtlichen in Rumänien, die sich trotz vieler Schwierigkeiten mit ganzer Kraft bemüht haben, die Situation der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu verbessern, und die die erhaltenen Spenden dafür sinnvoll genutzt haben, und
- den Verantwortlichen und Mitarbeitern der Kinderschutzdirektion, der Stadt- und Kreisverwaltung Temesvar, der Fachschule „Sancta Maria Hilfe“ und anderer Institutionen, die die Tätigkeit von „Hilfe für Kinder“ in diesen 15 Jahren gewürdigt, unterstützt und gefördert haben.
Sie alle haben rumänischen Kindern geholfen, dass sie fröhlicher wurden und in eine hoffnungsvollere Zukunft blicken können.
Ich werde „Hilfe für Kinder“ im Sinne meines verstorbenen Mannes fortführen und hoffe, dafür auch weiterhin die nötige Unterstützung zu finden.
Mechtild Gollnick
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